Ein aufregendes Wochenende…
Dieses Wochenende war mal wieder Einiges los.
Am Donnerstag haben in Tania, etwas verfrüht aufgrund des Lebensmittelmangels, die Ferien begonnen.
Simon und ich arbeiten nun nur noch auf der Farm bzw. in der Küche und es sind nur noch ca. 20 Kinder in Tania. Alle anderen sind nun Zuhause bei ihren Familien oder wurden an „Gastfamilien“ vermittelt, damit sie auch mal etwas anderes sehen als immer nur Tania
Da es für uns hier jetzt weniger zu tun gibt haben wir damit angefangen uns um ein Projekt zu kümmern, was uns sehr am Herzen liegt.
Wie schon ein ehemaliger Freiwilliger in Tania, Hendric B., möchten wir versuchen Tania dabei zu unterstützen eine Windkraftanlage zu bauen.
Wie schon erwähnt ist es hier aufgrund der Höhenlage und der Besonderheit der Region ständig windig, sodass es keinen geeigneteren Ort für eine Windkraftanlage gibt.
In den letzten Monaten konnten wir schon oft beobachten, dass die Strom- und Wasserversorgung hier sehr unzuverlässig und vor allem teuer ist.
Im September wurde Tania zum Beispiel der Strom abgestellt, da sie das Geld für die letzte Rechnung nicht aufbringen konnten.
Simon und ich streckten den Direktoren von Tania dann das Geld für die Miete und Verpflegung vor sodass wir, überraschend früh, nach zwei Tagen wieder Strom hatten.
Der Bau einer Windkraftanlage würde es Tania also ermöglichen sich mit Strom und Wasser, welches bisher mit einer elektrischen Pumpe gefördert wird, selbst zu versorgen und viel Geld zu sparen. Das gesparte Geld würde dann den Kindern und Jugendlichen in Form von Lebensmitteln, Materialien, Kleidung etc. zu Gute kommen würde.
Allerdings ist so eine Windkraftanlage sehr teuer, sodass der Bau durch die gesammelten Spenden von Hendric noch nicht möglich ist.
Jetzt versuchen wir uns also mit dem Thema vertraut zu machen und wir werden versuchen einen kleinen Teil dazu beizutragen das Tania sich irgendwann keine Sorgen mehr um Stromrechnungen machen muss.
Aufgrund dieses Projektes sind wir am Samstag mit der Familie Kigunda(19.11.11) nach Ngong gefahren. Dort sahen wir uns eine belgische Windkraftanlage an, welche uns eindrucksvoll zeigte, dass eine solche Anlage in dieser Region wirklich sehr sinnvoll ist.
Nachdem wir ein paar Fotos und Videos gemacht hatten und und auf dem Heimweg machen wollten begann es plötzlich sehr stark zu regnen.
Zunächst habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht, allerdings wurde mir im Bus der Kigundas dann sehr schnell klar das die Heimfahrt sehr abenteuerlich werden würde.
Wir befanden uns ja auf einem Berg zu dem keine befestigten Straßen führten, das heißt innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich die erdige Straße in eine schlammige Rutsche.
Nach einer ca. 10 minütigen Rutschpartie bemerkten wir, dass der Weg von einem, in einen Graben gerutschten, Schulbus versperrt wurde und wir bereiteten uns schon innerlich auf eine Nacht im Bus vor.
Allerdings gab es dann doch noch einen kleineren Weg der hinunter nach Ngong führte und wir versuchten unser Glück.
An dieser Stelle einmal meinen vollsten Respekt an den wohl weltbesten Rallye- Fahrer, J. Kigunda, welcher wirklich ganze Arbeit leistete den Bus nicht andauernd ins Gebüsch zu fahren.
Ich wäre auf jeden Fall, im Gegensatz zu Simon, nicht gerne an seiner Stelle gewesen.
Zwischendurch hatte ich wirklich die Befürchtung der Kleinbus würde umkippen.
Zweimal steckten wir dann auch fest.
Das erste Mal waren wir seitlich in einen Graben gerutscht und ein Vorderreifen steckte fest, nach ein paar Minuten konnten wir dann aber dank der Hilfe einiger Anwohner weiterfahren.
Beim zweiten Mal war die Lage dann schon komplizierter, denn wir waren auf einem Stein aufgefahren und konnten nicht vor und nicht zurück.
An dieser Stelle muss ich wirklich sagen das die Kenianer extrem hilfsbereit sind! In Deutschland wären wir wahrscheinlich ignoriert worden und hätten lange auf Hilfe warten können.
Doch hier kamen uns sofort ca. 10 Kenianer unaufgefordert zur Hilfe, welche mit Schaufeln und Hacken die Erde ebneten und Steine unter den Vorderreifen legten, sodass wir nach einiger Zeit und dem schieben, rütteln und ziehen des Busses weiterfahren konnten und endlich ein asphaltierte Straße erreichten.
Während der Fahrt merkten wir dann, dass der Hinterreifen des Busses nicht ohne Schaden davongekommen war. An einer Tankstelle konnten wir uns davon überzeugen, dass der Reifen leicht beschädigtwar, sodass einige lose Fäden beim Fahren nicht gerade vertrauenerweckende Geräusche verursachten.
Da es keinen Schlüssel zum Kofferraum gab und wir somit keinen Zugang zu einem Ersatzreifen hatten fuhren wir einfach etwas langsamer und vorsichtiger weiter, denn wir mussten noch einen alten Lehrer des Direktors besuchen, der krank geworden war.
Dort wurden wir auch sehr herzlich empfangen und man zeigte uns die großen Hühnerställe, die wirklich gut aussahen und von denen sich Tania definitiv inspirieren lassen sollte
.
Nach dem ersten Krankenbesuch ging es dann weiter zum Karen Krankenhaus, wo ein weiterer kranker Verwandte besucht werden sollte.
Wie Simon und ich dann am Krankenhaus erfuhren, welches übrigens verdammt modern aussah, war der Patient im Krankenhaus noch gar nicht eingetroffen, denn er wurde von einem anderen Krankenhaus in dieses verlegt.
So warteten wir ca. 1 ½ Stunden vergeblich auf die Ankunft des Patienten, welcher im Stau stand und so machten wir uns letztendlich ohne ihn gesehen zu haben auf den Heimweg nach Tania. Die Heimfahrt dauerte ebenfalls wieder sehr lange, da wir aufgrund mehrerer Unfälle auch im Stau standen.
Zuhause waren wir dann um 10 Uhr abends (gefühlt 1 Uhr nachts), aßen noch ein bisschen Ugali und fielen dann todmüde ins Bett.
Am Sonntag machten Simon und ich uns dann um ca. 10 Uhr morgens auf den Weg zu einem See, welchen wir uns ansehen wollten.
Es war ein wirklich schöner Spaziergang und die Landschaft erinnerte mich sehr an eine Savanne, wozu die schwüle Hitze sehr gut passte.
Am See angekommen konnte ich mich dann wieder von Simons beeindruckenden Natur- und Kochkünsten überzeugen, denn er baute ein kleines Lagerfeuer auf dem wir dann Spinat, Tomaten, Rote Beete, Gurken, Kohl und Scumavic (????? so ähnlich wie Spinat) kochten. Hat echt nicht schlecht geschmeckt.
Außerdem lernten wir bei dieser Gelegenheit ein paar Maasai kennen, die am See ihre Ziegen hüteten und die wir spontan zum Essen einluden.
Zum Dank versprachen sie Simon ihm eine Ziege zu schenken (ich bin sehr gespannt !) und sie führten uns ein wenig durch die Umgebung, zeigten uns ihre Ziegen und luden uns für das nächste Wochenende zu ihnen zum Essen ein.
Da werde ich dann wohl ausnahmsweise auch mal Ziegenfleisch probieren
Zudem erfuhren wir, dass man hier auch auf Giraffen und Sträuße treffen kann, welche sie uns ebenfalls am Wochenende zeigen wollen.
Um ca. 16 Uhr machten wir uns dann allein auf den Heimweg. Mittlerweile war ich vom vielen herumlaufen schon ziemlich k.o und auch Simon war nicht mehr ganz so fit.
Außerdem hatte ich dem Maasai meinen letzten Wasservorrat gegeben, sodass wir den kompletten Heimweg ohne Wasser auskommen mussten.
Wobei ganz ohne Wasser mussten wir den Heimweg dann doch nicht bezwingen, denn es fing wieder sehr stark an zu regnen
Schade das man Regenwasser so schlecht auffangen kann
Letztendlich sind wir dann aber doch noch mehr oder weniger trocken, dank unserer Regenjacken und einem Matatu, in Tania angekommen und konnten uns von dem anstrengenden Tag erholen.
Ich bin wirklich sehr gespannt auf den nächsten Sonntag und hoffe das es ein genauso spannendes Wochenende wird!
Date: 21. November 2011