Weihnachten und Sylvester
Ich muss zugeben, dass die Vorweihnachtszeit ihier in Kenia komplett an mir vorbeigegangen ist. Zum einem liegt das wahrscheinlich daran, dass ich im Dezember so viel unterwegs war und das Wetter auch keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen laesst (zum Glueck!!). Zum anderen ist das hier einfach Kenia und nicht Deutschland
. Waehrend in Deutschland die Weihnachtsmaerkte ihre Tore fuer die durchgefrorenen Besucher oeffnen, alles weihnachtlich geschmueckt wird und Strassen, Haeuser etc. weihnachtlich beleuchtet werden, merkt man davon hier ueberhaupt nichts. InKiserian und auch in Tania wurde rein gar nichts geschmueckt , obwohl man im groessten Supermarkt Kiserians sogar Weihnachtsschmuck kaufen kann. Dafuer wurde ich allerdings auch von dem laestigen, vorweihnachtlichen Stress verschont. Dieses Jahr musste ich mich weder mit der Suche nach den richtigen Geschenken belasten, noch mit den niemals endenden Klausurvorbereitungen. Da hier in Kenia, wie in England und Amerika, Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wird, habe ich mich auch auf kein “normales” Weihnachtsfest eingestellt. Dieses wird ja ohnehin traditioneller Weise mit der ganzen Familie gefeiert, was dieses Jahr natuerlich unmoeglich war. So habe ich mich dann sehr gefreut, dass am 24. Dezember in Tania eine kleine Weihnachtsfeier fuer die Kinder organisiert wurde, denn am 25. Dezember wollten die Direktoren (meine Gasteltern) mit simon und mir nach Meru fahren, um dort im Kreise ihrer Familie Weihnachten zu verbringen. Am 24. Dezember wurde also zunaechst wieder einmal viel gekocht. Es gab Chapati, Reis, Stew, Fleisch, geroestete Bananen, normale Bananenund Rote Beete Salat mit Moehren. Auf jeden Fall ein leckeres festmahl fuer die Kinder! Gegessen wurde im grossen Speisesaal bzw. Aufenthaltsraum, welcher sogar weihnachtlich geschmueckt wurde. an den Waenden hingen viele Luftballons und es gab auch einen kleinen Tannenbaum, welcher ebenfalls mit Luftballons und Watte geschmueckt war. ich habe zunaechst beim Kochen bzw. allen Vorbereitungen und spaeter dann bei der Essensausgabe geholfen. Nach dem Essen gab es dann mehrere Reden und Pfarrer Patrick (eigentlich Farmer) hat eine kurze Predigt gehalten. Da wir auch noch Besuch von einer befreundeten Schule hatten, waren wir trotz Ferien relativ und es wurde mit den Kindern ein paar Spiele gespielt. Unter anderem hatten Simon und ich spontan versucht ein paar Geschicklichkeitsspiele mit Luftballons zu machen, was auch gut angekommen ist, wobei dann alle Kinder einen eigenen Ballon haben wollten, was ich verneinen musste, da ich diese noch fuer den Unterricht benoetige. nach dem Spielen kam es dann zur Bescherung. Aufgrund der “Nikolaus- Spenden” meiner Grosseltern hatte ich mich kurzfristig dazu entschlossen, einen Tag vor Weihnachten, Schuhe fuer die Kinder (zu dem Zeitpunkt “nur” 25) zu kaufen. Die koennen die Kinder hier wirklich gut gebrauchen, denn es gibt hier sehr viele Dornen und die meissten Kinder haben hier keine oder nur kaputte Schuhe. Finanziell war es natuerlich nicht moeglich fuer alle Wanderschuhe oder aehnliches zu kaufen, aber immerhin haben sie in den neuen Schuhen mehr Halt als in Flip Flops und fuer Makeshui, die eine Gehbehinderung hat, war es moeglich ein paar festere Turnschuhe zu kaufen. D.h sie muss jetzt nicht mehr andauernd mit ihren Gummistiefeln kaempfen. Gefreut haben sich die Kinder auf jeden Fall! Und zudem haben sie noch von ein paar Sponsoren Suessigkeiten und Kleidungsstuecke erhalten. Das war auf jeden Fall mal ein anderer “heiliger Abend”, aber es hat mich sehr fuer die Kids gefreut und Kinderaugen leuchten glaube ich ueberall auf der Welt gleich
. Am 25. Dezember ging es dann nach Meru. Insgesamt waren wir ca. 14 Personen und mussten schon frueh morgens aufbrechen. Nach einer ziemlich langen Fahrt, die ich fast komplett verschlafen habe, waren wir dann endlich in Meru, bei Jennifer Kigundas Elternhaus, angekommen. optisch erinnert Meru eigentlich sehr an Kisii. Alles ist huegelig, gruen und voller Tee-, Kaffee- und Bananenplantagen. Im Garten von Jennifers Bruder war ein grosses, weisses Partyzelt aufgebaut mit vielen Gartenstuehlen. Weihnachten wurde also fuer uns zu einer Art Gartenparty. Es gab mal wieder sehr viel zu Essen und auch einen ziemlich langen Gottesdienst. Freundlicherweise setzte sich einer der Gaeste neben uns und uebersetzte uns das Noetigste. Nach dem Gottesdienst kamen wir dann zu dem , fuer uns, interessantesten Teil der Feier. Nun wurden alle Familienmitglieder und Gaeste einzeln vorgestellt (ca. 30 Leute). So hatten wir endlich einen einblick in die komplexen Familienstrukturen und erfuhren z.B. das die hoergeschaedigte Stella nicht nur eine Schuelerin Tanias war, sondern auch die Adoptivtochter der Kigundas. Zudem bemerkten wir, dass die Kigundas schon eine wichtigere und zentralere Rolle in ihrer Familie besitzen, denn sie kamen sehr oft zu Wort und waren oft im Mittelpunkt. Nach der Vorstellungsrunde gab es dann eine kurze Pause und es war Zeit fuer ein paar erste Gespraeche mit den geladenen Gaesten und wir hatten Zeit mit den Kindern zu spielen, die von den Muzungus sehr begeistert waren. Spaeter wurden die Gaeste dann noch aufgeteilt. Alle Verheirateten gingen ins haus um wichtige Familienbangelegenheiten zu besprechen und alle Unverheirateten und Jugendlichen blieben draussen im Garten und wurden vom Pfarrer beaufsichtigt. Der Pfarrer, welcher aus Kiserian kommt und ein guter Freund der Kigundas ist, begann mit kleinen Vortraegen zu bestimmten Themen. Zusammengefasst ging es darum, wie man sein Leben am besten plant um spaeter Karriere zu machen und viel Geld zu verdienen. Zudem gab es dann noch ein wenig Sexualkunde a la ” kein Sex vor der Ehe”. War eigentlich sehr interessant das mal mitzuerleben, auch wenn Simon und ich oefters anderer Meinung waren und die Einstellung des Pfarrers etwas uebertrieben fanden. Vor allem die Saetze ” do the right thing at the right time” und ” be at the right place at the right time” vielen mal wieder sehr oft. Woher weiss man denn bitte schon vorher was der richtige Ort fuer einen ist??? Ausserdem ist es manchmal gar nicht so schlecht das Falsche zu tun oder am falschen Ort zu sein, denn daraus ergibt sich manchmal ja auch etwas Positives. Naja der Pfarrer hatte sich aber sowieso groesstenteils darauf bezogen, dass die Kids staendig lernen sollen und ihre Zeit und ihr Geld nicht in Discos etc. verbringen sollen. Zum Teil hatte er ja schon Recht, aber man sollte auch nicht alles verbieten was Spass macht und auch wenn man Artzt, Jurist, Lehrer oder Ingenieur wird heisst das noch lange nicht, dass man viel Geld hat und ein glueckliches Leben fuehrt. Das ist zumindest meine Meinung dazu
. Am naechsten Tag bescihtigten wir dann noch ein wenig Meru, bevor es nach Mombasa ging um dort mit 16 anderen Freiwilligen Sylvester zu feiern. In Mombasa sind wir dann wieder bei Charlotte und Jana untergekommen, wo wir freundlicherweise im Garten zelten durften. An dieser Stelle nochmal vielen vielen Dank fuer eure Gastfreundschaft, bei euch fuehlt man sich immer willkommen und Mombasa ist mittlerweile schon fast mein zweites kenianisches Zuhause
!!! Die Tage bis sylvester vergingen dann wieder sehr schnell. Im Laufe der Zeit trudelten nach und nach alle anderen freiwilligen ein, die groesstenteils ebenfalls bei Charlotte und Jana unterkamen, die Bude war mit 13 Leuten also gut gefuellt! Die Zeit verbrachten wir dann groesstenteils in der Stadt oder am Strand. Zudem hatte ich endlich die Moeglichkeit wieder zu reiten, was ich so sehr vermisst hatte. Eine Stunde lang durfte ich am Strand entlang galloppieren. Traumhaft!!! Fuer sylvester war eigentlich geplant zu einem neuen Strand (Diani ??) zu fahren, allerdings mussten wir noch auf eine Freiwillige, die extra aus Tansania anreiste, warte, sodass wir auf den alt bewaehrten Kenyatte Beach (Pirates) zurueckkamen. Wir hatten einen echt schoenen Abend am Strand , der auch echt gut gefuellt war. Leider ging an diesem Abend dann auch noch mein Handy baden, aber mittlerweile habe ich ein Neues
. Kurz vor 12 Uhr wurde dann traditionell von 10 heruntergezaehlt und zu unserer ueberraschung schlossen sich sogar ein paar Kenianer an. Auf ein Feuerwerk warteten wir dann allerdings vergeblich, es gab nur ein paar Fackeln und Leuchtraketen, die die in Fussballstadien verboten sind. War schon ein bisschen schade, so ein Feuerwerk ueberm Meer waere schon was Besonderes gewesen, aber immerhin wurde so die Umwelt etwas weniger verpestet und man kann ja auch nicht alles haben. Danach sassen wir wieder gemuetlich im Sand, bis ploetzlich mehrere Kenianer begannen sich mit Stoecken zu bedrohen und aufeinander einzuschlagen. Alle Menschen drum herum standen auf und wichen zurueck, waaehrend wir ueberhaupt nicht verstanden was gerade vor sich ging. Ich dachte ja zunaechst an eine Tradition, aber war es dann wohl doch nicht. Nach einer halben Stunde war dann aber alles wieder vorbei und es wurde auch niemand verletzt. Ich war allerdings totmuede und schlief erstmal am Strand ein xD. Habe mich dann auch um ca. 3 Uhr morgens mit Simon und Marieluise auf den Heimweg gemacht. Im Matatu gab es dann noch zwei Zwischenfaelle. Ich sass neben Marieluise direkt am Fenster und wollte gerade mein Kleingeld zaehlen, als eine Hand durchs Fenster kam und nach meinem Geldbeutel griff. Gluecklicherweise konnte ich schnell genug reagieren und der potentielle Dieb blieb bei mir erfolglos. Marieluise hatte ein paar Minuten spaeter weniger Glueck, ihr wurden ca. 20 Euro direkt aus der Hand geklaut. Gut das man hier auf sowas mehr oder weniger vorbereitet ist und extra so wenig Wertgegenstaende wie moeglich mitnimmt.
Letztendlich fand ich dieses Sylvester wirklich sehr gelungen und spassig. Vielen Dank an alle tollen leute, die die Zerit unvergesslich gemacht haben und die ich bald beim Zwischenseminar schon wiedersehe! Da kann 2012 ja nur noch schoen und aufregend werden!
Date: 4. Januar 2012