Schulanfang und Zwischenseminar in Nairobi
Da die Schule nach den langen Weihnachtsferien am 9.01.2012 offiziell wieder eroeffnet wurde, hatte ich ab dem 3.01.2012 endlich wieder mehr zu tun. Da die Kinder, die ueber die Ferien ihre Verwandten besucht hatten oder in Gastfamilien waren, langsam wieder eintrudelten konnte ich in meine Special Class zurueck und brauchte nicht mehr in der Kueche helfen, wobei ich die Arbeit mit Anti jetzt schon ein wenig vermisse. Zunaechst war an Unterricht jedoch noch nicht wirklich zu denken, denn 4 Lehrer hatten gekuendigt und auch mein Kollege, Casper, war noch nicht erschienen. Ob er ueberhaupt kommen wuerde wusste er selbst noch nicht, da die Lehrer hier nach wie vor nur unregelmaessig oder ueberhaupt nicht bezahlt werden, sodass sich eigentlich jeder der die Moeglichkeit hat nach einer anderen Arbeitsstelle umsieht. Fuer mich persoenlich war der Schulanfang daher mit viel Stress verbunden, denn meine Klasse hatte auch noch Zuwachs bekommen. Eigentlich kann ich auch nicht mehr wirklich von einer “Klasse” sprechen, denn diese umfasst mittlerweile die Nursery- Class (Babyklasse), Pre-Unit (1. Klasse), die 2. Klasse und die Specials. Es sind jetzt 15 Schueler, was sich nicht unbedingt viel anhoert, aber aufgrund der unterschiedlichen Behinderungen und Leistungsstaende braucht jeder individuelle Aufgaben und Hilfe bei der Bearbeitung. Die Kleineren muessen zudem oft zur Toilette begleitet werden, sodass bei nur einer Aufsichtsperson ein Grossteil der Klasse staendig unbeaufsichtigt ist. Die Kleinste (1 1/2 Jahre) bleibt mittlerweile jedoch bei Anti, da ich sie staendig halten musste, sie immer nach ihrer Schwester geschrien hat und staendig nass war da sie keine Windel traegt. In Deutschland haette eine Klasse mit 8 Schuelern einer Sonderschule uebrigens mindestens 2 Betreuer. Daher war ich die ersten Tage auch vollkommen ueberfordert und gereizt, sodass ich mir letztendlich Simon zur Hilfe geholt habe, denn auch die Direktorin hat eingesehen, dass die ganze Klasse fuer mich alleine nicht zu handhaben ist. Simon und ich haben die Klasse dann geteilt, sodass jeder nur noch 8 Kinder zu beaufsichtigen hatte. Das war eine wirklich gelungene Massnahme, denn so waren die Kids sehr viel ruhiger und es war einfacher sie zu beschaeftigen. Mit den ganz Kleinen habe ich wieder viel gemalt und gespielt, waehrend wir fuer die Groesseren Aufgabenzettel entworfen haben, die wir dann in Kiserian kopieren konnten. Jetzt gibt es erstmal genug Arbeit fuer die naechsten Wochen. Ausserdem besitzt meine Klasse jetzt einen Papierkorb. ich konnte die staendigen Verwuestungen einfach nicht mehr mit ansehen, gerade weil sie durch mich staendig mit Anspitzern und Papier am Werk sind. Ganz integriert wurde der paperkorb zwar leider noch nicht, aber es wird von Tag zu Tag besser. Seit dieser Woche ist nun auch Casper wieder da, sodass simon wieder seiner Lieblingsbeschaeftigung, auf der Farm zu arbeiten, nachgehen kann. Der erste Arbeitstag mit Casper war noch etwas ernuechternd, da ich bis zur Mittagspause die Kinder trotzdem alleine beaufsichtigen musste, da Casper aufgrund der Examen in anderen Klassen fuer die Taubstummen dolmetschen musste, denn er ist der Einzige Lehrer der die Gebaerdensprache dafuer gut genug beherrscht. Dafuer hat der Unterricht die darauf folgenden Tage wieder richtig viel Spass gemacht. Sogar meine Kids haben nah langem Suchen ein paar Examen bekommen, Casper hat durch seine Anwesenheit fuer Ruhe gesorgt und ich konnte mit den Kids die Aufgabenzettel bearbeiten und spielen. Heute werde ich mich mit Casper dann noch einmal zusammensetzen um ein paar Examen zu erstellen, da fuer die Juengeren keine Vorhanden waren. Ausserdem wollte ich ihm noch vorschlagen die Klasse wieder zu splitten, da das mit Simon wirklich gut funktioniert hatte. Ansonsten habe ich noch vor mit den Kids kleine Spaziergaenge zu machen. Zusammen mit simon hatte das ganz gut funktioniert und ich denke Casper schliesst sich mit Sicherheit gern an. Ansonsten war ich zwischenduch, vom 17. bis zum 24. Januar, noch auf dem VIA e.V. Zwischenseminar in Nairobi. Das Zwischenseminar ist bei weltwaerts vorgeschrieben und dientdazu sich mit anderen Freiwilligen auszutauschen, neue Ideen zu sammeln, Kraft zu tanken und vorhandene Probleme und Konflikte mit den Teamern zu besprechen und Loesungen dafuer zu finden. Untergebracht waren wir im Kolping Conference Center in Langata. Innerhalb dieser 8 Tage habe ich mich eigentlich gar nicht wie in Kenia gefuehlt, denn es war alles sehr europaeisch. Geschlafen haben wir in 2- Bett-Zimmern mit eigenem Fernseher und einem Bad mit warmer Dusche, einem Waschbecken und einer funktionierenden Toilettenspuelung
. Auch das Essen war echt lecker, endlich gab es mal wieder Kartoffelbrei, Fisch und richtig viel Gemuese. Fleisch gab es natuerlich auch, aber noch bin ich eine standhafte Vegetarierin (Fisch zaehlt nicht xD) und werde das hoffentlich auch in Deutschland weiterfuehren koennen, wobei ich ab und zu schon mein Salami-Brot oder Gulasch vermisse
. Nun aber zum eigentlichen Programm. Der 1. Tag stand ganz im Sinne des Ankommens, denn aufgrund unterschiedlichster “unvorhergesehener” Ereignisse konnte das programm nicht wie geplant anfangen. Simon, Ines und ich hatten eigentlich einen der kuerzesten Anfahrtswege, kamen aufgrund unseres mangelnden Orientierungssinnes und schlechter Vororganisation unsererseits peinliche 2 Stunden zu spaet, aber hey, wir sind ja hier in Afrika und da heisst es ja immer “polepole” (langsam, immer mit der Ruhe) bzw. “Hakuna Matata(u)” (keine Probleme)
. Ueberraschenderweise gewann Simon dennoch seine Wette, denn wir waren nicht die Letzten. Letztendlich waren dann alle puenktlich zum Abendessen eingetrudelt,. Am Mittwoch sollte es dann eigentlich losgehen, aber fuer mich war dennoch nicht viel zu tun. Der Mittwoch stand im Zeichen der Probleme und Konflikte im Gastland bzw. Projekt, wofuer unsere Teamer (Elke und Mika = super!) Einzelgespraeche angeboten hatten. Die Beiden hatten dann den ganzen Tag ueber viel zu tun, da es bei Vereinzelten doch sehr viel Gespraechsbedarf gab, waehrend ich in meinem Projekt nicht so gravierende Probleme habe oder todungluecklich bin. Am Donnerstag bildeten wir dann verschiedene Interessengruppen, um uns ueber bestimmte Themen auszutauschen und unsere bisherigen Erlebnisse zu reflektieren. Zum Beispiel ging es um die Zukunft von Weltwaerts und um Gewalt gegen Kinder, die hier eigentlich verboten ist, aber in vielen Schulen trotzdem praktiziert wird. In Tania haelt sich das Gott sei Dank in grenzen, wobei auch hier die lehrer mit Stoecken umher laufen und es auch schnell mal ein paar Schlaege auf die Finger etc. gibt, allerdings wueder ich da eher von einem Klaps sprechen und in unserer Gegenwart sind die Lehrer auch alle sehr bedacht. Ausserdem wird jeder Stock der mir ins Auge springt sowieso erstmal zerbrochen. Zudem beschaeftigten wir uns damit wie man am Besten Gespraeche mit seinem Vorgesetzten fuehrt und ich war in einer Gruppe, die sich mit dem Thema “Mzungu = Geldesel” beschaeftigt hat. Manchmal ist es wirklich gut zu wissen wie andere mit diesem “Problem” umgehen und wie man am Besten seinen eigenen Weg findet zwar das Projekt auch finanziell zu unterstuetzen, abersich nicht ausnutzen und unter Druck setzen zu lassen. Schliesslich ist es nicht die Aufgabe eines Freiwilligen eine Schule vor dem Ruin zu bewahren und die Regierung aus der Verantwortung zu ziehen. Schliesslich hiess es noch bei Kibakis Regierungsantritt die Grundschulbildung waere frei. Ist nur leider nicht so, zumindest wenn man eine gute Schulbildung fuer sein Kind moechte und an Materialien fehlt es ja sowieso ueberall. Am Freitag bekamen wir dann noch besuch von 2sehr interessanten kenianischen Referentinnen. Eine Mitarbeiterin von Transparency International klaerte uns ueber Korruption auf, was einerseits sehr interessant und andererseits schockierend war. Allerdings erleben wir hier Korruption wirklich im Alltag. Die Matatu- Fahrer schmieren die Polizei eigentlich staendig und auch bei der Post gab es schon zweifelhafte Erlebnisse. Des Weiteren hatten wir Besuch von einer Dame von Fahamu (dt. verstehen), die sich fuer die Grundrechte der Kenianer einsetzen. Vor allem dieses gespraech hat mich sehr beeindruckt . Patita ist eine sehr politisch engagierte und moderne Frau, die mit Fahamu die meinung vertritt, dass sich die ganzen NGO’s langsam aus Kenia zurueckziehen sollten. Schliesslich ist es langsam an der Zeit, dass die Regierung ihrer Aufgabe nachkommt und sich fuer die Interessen ihrer Waehler einsetzt. Allein in nairobi gibt es ca. 5000 NGO’s, die die Regierung aus der Verantwortung ziehen. Sinnvoller waere es wenn die korrupte Regierung ihre finanziellen Mittel endlich fuer das Schul- und Gesundheitssystem einsetzen wuerde und nur noch wenige grosse NGO’s in Kenia bleiben. Aber damit das passiert muessen die Kenianer sich ihrer Stellung endlich bewusst werden und die Regierung unter Druck setzen, welche sich zur Zeit nur auf die internationale Hilfe verlaesst, was man ja auch bei der Hungerskatastrophe beobachten konnte bzw. kann. Mich persoenlich hat das Gespraech wirklich sehr motiviert und mich zum Nachdenken gebracht. Zudem hat es den Druck genommen, dass man als Freiwilliger hier als Retter fungieren muss. Trotzdem ist es auch weiterhin nicht leicht nein zu sagen, wenn dich zum Beispiel eine Mutter um Schulgeld fuer ihr Kind bittet, aber da ist es sinnvoller sich um die Kinder in meinem Projekt zu kuemmern und diese zu unterstuetzen. Zum Beispiel sorgen Simon und ich von jetzt an dafuer, dass die Kids einmal die Woche Bananen, Orangen, Mangos oder aehnliches bekommen, damit sie neben dem eintoenigem Essen ab und zu ein paar Vitamine bekommen. Zudem ist Obst hier im Vergleich zu Deutschland echt preiswert, oder habt Ihr schon einmal fuer 4 Euro 100 Bananen gekauft? Naja weiter im Programm
. Am Samstag hatten wir einen freien Tag und ich war mit den 2 Charlottes, Ines und Lele in Nairobi unterwegs. War auf jeden Fall ein schoener Tag, aber fuer den Blog wohl eher uninteressant. Am Sonntag beschaeftigten wir uns dann mit der Planung von Aktionen fuer unsere Projekte. Simon und ich werden das Windkraft- projekt aber wohl auf Eis legen,. Das tut mir sehr Leid fuer alle die schon Werbung gemacht haben und uns unterstuetzt haben, aber wir denken, dass das Projekt doch etwas zu gross fuer uns ist, da wir wahrscheinlich auch keine Nachfolger haben werden und wir das Vertrauen in die Direktoren eigentlich verloren haben (Korruptionsverdacht). Wir wollen uns jetzt um das Wohlergehen der Kinder kuemmern, d.h. dafuer sorgen, dass sie woechentlich Obst bekommen und wir wuerden zudem gerne den bereits vorhandenen Spielplatz renovieren. Dieser ist schon sehr heruntergekommen und stellt durch hervorstehende Naegel auch ein Sicherheitsrisiko dar. Es war auch sehr interessant was die anderen so fuer Ideen haben und wir konnten uns auch ein wenig mit der Rueckkehrerarbeit beschaeftigen. Zum Beispiel gibt es jaehrlich einen tollen “KaLaender” mit super Bildern aus allen Weltwaerts Laendern und dieses Jahr soll auch noch ein Kochbuch herausgegeben werden. Der Abschluss dieses Tages war auch sehr gelungen. Puenktlich um 20:15 Uhr begann der Tatort- Marathon, eine tolle Idee unserer Teamer. Allerdings kannte ich schon alle 3, was mich dann doch etwas ueberrascht hat. Am Montag stellten wir uns dann gegenseitig die restlichen Projekte vor und bekamen noch Besuch von 4 Sozialpaedagogen bzw. Psychologiestudenten ausdem projekt von Thilo und Henning in Kibera, die sich mit uns austauschen wollten. Am Dienstag besuchten wir dann abschliessend die Deutsche Botschaft in Kenia und informierten uns ueber die aktuelle Sicherheitslage und die Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit. Wirklich etwas Neues haben wir dort jedoch nicht erfahren und ich hoffe das ich irgendwann trotzdem noch nach Lamu reisen kann. Dann waren die 8 Tage auch schon wieder vorbei und es hiess Abschied nehmen. Ich hoffe ich werde ein paar weiter entfernt wohnende Freiwillige noch einmal wiedersehen. Bis dahin bin ich jetzt erstmal wieder voll im Projekt beschaeftigt.
Ganz lieber Gruss, Ann-Kristin
Date: 28. Januar 2012